Beitrag Forum Andelfingerzeitung vom 24.11.2017

Mit der Einführung von Harmos im Jahr 2007 kann es vermehrt vorkommen, dass jugendliche Lernende ihre Grundbildung mit 15 Jahren beginnen. Der Bundesrat hat daher mit der Änderung der Verordnung zum Arbeitsgesetz (ArGV 5) das Mindestalter dieser Gruppe von Jugendlichen für gefährliche Arbeiten auf 15 Jahre gesenkt. Seit dem 1. August 2014 ist die revidierte Verordnung in Kraft und sieht gleichzeitig vor, dass die Organisation der Arbeitswelt (OdA) bei Berufen mit gefährlichen Arbeiten in ihren Bildungsplänen begleitende Massnahmen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes treffen. Diese muss das OdA erarbeiten und vom SBFI (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation) genehmigen lassen.

Nur 1 Beispiel, beim Tragen von Lasten gelten folgende Maximalwerte: 15 kg für junge Männer bis 16 Jahre, 19 kg für junge Männer von 16-18 Jahren, 11 kg für junge Frauen bis 16 Jahre, 12 kg für junge Frauen von 16 bis 18 Jahren. Also eine knapp 16 jährige Lehrtochter darf nicht 2 Behältnisse mit je 4 Flaschen Mineralwasser à 1.5 Liter tragen.

Dieses von den arbeitsweltfremden Funktionären erschaffene Werk erschlägt jeden Unternehmer. Auf der Homepage der AM Suisse finden sie die Massnahmen (Bildungsplan Anhang 2). 48 SUVA Merkblätter und Broschüren müssen mit den Lernenden durchgearbeitet und überwacht werden. Welcher Kleinbetrieb hat schon diese Kapazität? Sollten doch die jugendlichen erfolgreich ihren Beruf erlernen und ausüben können, so dass diese nach der Lehre eine wirtschaftliche Leistung erbringen.

Auf Geheiss des Berufsbildungsamtes müssen jetzt die Betriebe bis Ende Jahr eine Selbstdeklaration ausfüllen, dass sie die Auflagen einhalten, sonst verlieren sie die Ausbildungsbewilligung.

Wer das nicht macht, darf nur noch Personen ab 18 Jahren ausbilden.

Wo ist das doch so hoch gelobte duale Bildungssystem? Ich auf jeden Fall merke nichts davon. Im Gegenteil sehe ich Kürzungen für ÜK-Kurse in den Ausbildungszentren. Es können nicht alle studieren. Was die KMU Betriebe in der Schweiz und auch im Weinland machen, ist eine unbezahlbare Leistung an unserer Gesellschaft. Alles was das Elternhaus und die Schule vergessen hat, bringen wir den Lernenden bei. Mit viel Herzblut machen wir aus den Jugendlichen tüchtige Mitarbeiter, so dass diese gut durchs Leben kommen.

Als Kassier eines Ausbildungszentrums sehe ich, wie die Lehrlingszahlen kontinuierlich zurückgehen. Sicher mit ein Grund sind die stetig wachsenden, unnötigen bürokratischen Auflagen an Ausbildungsbetriebe.

Paul Mayer
Präsident SVP Bezirk Andelfingen